In das Jahr 1948 fiel - zwei Jahre nach der Gründung der Bregenzer Festspiele - ein denkwürdiges Ereignis: die Schaffung des Bregenzer Festspielchores. Da die Festspiele aus finanziellen Gründen nicht in der Lage waren, für die Operette "Eine Nacht in Venedig" einen Berufschor zu verpflichten, setzte sich der damalige 1. Vorstand des Bregenzer Männerchores, Karl Fuchs, dafür ein und begründete mit 35 Damen und 25 Herren eine Chorvereinigung, welche dann im Jahre 1948 erstmalig bei den Bregenzer Festspielen mitwirkte. Anfang des Jahres 1950 starb Karl Fuchs und Prok. Franz Wipper übernahm spontan die Leitung des Chores.
Zunächst bestand der Bregenzer Festspielchor ausschließlich aus Bregenzern. Im Laufe der Jahre stießen aber immer mehr Sängerinnen und Sänger aus umliegenden Regionen, auch aus der Schweiz und aus Deutschland, hinzu. Seine größte Stärke erreichte der Bregenzer Festspielchor 1964 in der Lehar-Operette "Land des Lächelns" mit 151 Mitwirkenden.
Ab 1973 wurde dann der Bregenzer Festspielchor nach Bedarf mit Chorsängerinnen und Chorsängern der Wiener Staatsoper ergänzt. Monatelange Einstudierungsproben - meist schon im Jänner oder Februar an einem Tag in der Woche beginnend - gehen den Bühnenproben mit Beginn Juli voraus. Der Bregenzer Chorteil wird bis dahin von heimischen Musikpädagogen einstudiert und dann bei Beginn der Regieproben mit der in Wien, Sofia oder Moskau vorstudierten Chorgruppe zu einem Gesamtchor vereinigt.
Der Bregenzer Festspielchor entwickelte sich bald zu einer ausgezeichneten Chorvereinigung und mit wachsendem Niveau stiegen auch die Aufgaben. Bald wurde der Chor auch zur Mitwirkung bei Konzerten der Bregenzer Festspiele herangezogen, z.B. für Beethovens "9. Symphonie" unter Ferdinand Leitner im Jahre 1954 - und ab 1955 bei den Opern- und Operettenaufführungen im Theater am Kornmarkt und später im Festspielhaus. Die hohe künstlerische und idealistische Auffassung der Mitglieder des Bregenzer Festspielchores ermöglichten es, dass ab 1973 auch große Aufgaben in Opern übernommen werden konnten, welche als Spiel auf dem See aufgeführt wurden.
Seit 1980 wirkt eine Chorgruppe des Bregenzer Festspielchores meist auch bei den Opernaufführungen im Festspielhaus mit, während eine zweite Chorgruppe beim Spiel auf dem See eingesetzt wird. Dieser einzigartigen Gemeinschaftsleistung von begeisterten Sängerinnen und Sängern aus der ganzen Bodenseeregion, welche für eine relativ geringe Aufwandsentschädigung ihre Freizeit und teilweise ihren Urlaub einbringen, gebührt aufrichtiger Dank und Anerkennung.
Im Jahre 1982 gründete Prok. Franz Wipper einen offiziellen Verein. Am 11. Oktober 1982 fand die konstituierende Hauptversammlung statt, bei der ein Hauptausschuss mit Herrn Franz Wipper als erstem Vorstand gewählt wurde. Im Juni 1983 wurde das von Herrn Helmut Kostka entworfene Vereinsabzeichen vorgestellt und an die Vereinsmitglieder übergeben.
Jedes Jahr im Herbst beginnen bereits die Vorarbeiten für die nächstjährigen Bregenzer Festspiele. Aufgabe des Vorstandes ist es, nach Bedarfangabe der künstlerischen Leitung zwei Chorgruppen, je eine für die Oper im Festspielhaus und eine für das Spiel auf dem See, zusammen zu stellen und diese bis zum Ende der Festspiele zu betreuen.
Möge dieser hervorragenden Chorgemeinschaft der bisherige Idealismus und die Begeisterung, aber auch die Bedeutung und Anerkennung in unserer Region erhalten bleiben.